Asien Aktuell

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Das Gesundheitswesen wird weiter ausgebaut

Erscheinungsdatum Website: 19.08.2015 09:55:11
Erscheinungsdatum Publikation: 20.08.2015

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BANDAR SERI BEGAWAN (asi/gtai)--Das reiche Sultanat Brunei leistet sich aufgrund wachsender Wohlstandskrankheiten einen Ausbau des Gesundheitssektors. So vervierfacht beispielsweise das private Jerudong Park Medical Centre seine Bettenzahl. Dabei vertraut es nicht nur auf deutsche Medizintechnik, sondern auch auf die Expertise deutscher Ärzte. Auch der neue Gesundheits-Masterplan der Regierung sieht einen weiteren Ausbau vor.

Das rund 430.000 Einwohner zählende Sultanat Brunei verfügt mit vier staatlichen und einem privaten Krankenhaus über ein gut ausgestattetes Gesundheitswesen, das weiter ausgebaut wird. Damit werden Patienten mit komplexen Erkrankungen, die zuvor Kliniken in Singapur und anderen Ländern aufsuchten, nun im Land versorgt. Darüber hinaus möchte Brunei auch am wachsenden Geschäft des Medizintourismus teilhaben und in Zukunft Patienten vor allem aus dem benachbarten Indonesien anziehen.

"Bislang behandeln wir bruneiische Staatsbürger und einige Bewohner aus der angrenzenden malaysischen Stadt Miri", erklärte Dato Dr. Isham Jaafar vom Jerudong Park Medical Centre im Gespräch mit gtai. Ab 2016 hofft der Geschäftsführer des Privatkrankenhauses auf mehr Medizintouristen. Die Kapazitäten hierfür wird es geben. Denn im April 2016 werde die Erweiterung des bislang 110 Betten zählenden Hospitals um 300 Betten abgeschlossen sein. Das neue Gebäude werde dann ausreichend Platz für die Patienten des momentan noch begrenzten Zentrums für Schlaganfall- und Krebserkrankungen bieten.

Die technischen Ausrüstungen der Klinik kommen zu einem erheblichen Teil aus Deutschland, insbesondere von Siemens, konstatierte Dr. Jaafar. Aber nicht nur bei der Medizintechnik vertraue man auf Deutschland, sondern auch beim ärztlichen Know-how. So verfügt das Jerudong Park Medical Centre über eine mehrjährige Kooperation mit dem Krankenhaus Nordwest in Frankfurt, aus der das Brunei Neuroscience Stroke and Rehabilitation Centre (BNSRC) hervorging. Die Kooperation der beiden Kliniken wird federführend durch die Klinik für Neurologie unter Leitung von Frau Professor Dr. Uta Meyding-Lamadé und durch das Zentralinstitut für Neuroradiologie unter Leitung von Professor Dr. Bodo Kress betreut. Stetig sind aus Deutschland ein neurologischer Oberarzt, zwei Assistenzärzte, eine Pflegekraft und ein Physiotherapeut zur Anleitung und Unterstützung am BNSRC. Diese Kooperation scheint auch politisch solide fundiert zu sein.

Als der jetzige Energieminister Bruneis 2009 auf einem offiziellen Besuch in Deutschland war, lernte er das Krankenhaus Nordwest in Frankfurt kennen und war davon offensichtlich so beeindruckt, dass er eine Zusammenarbeit initiierte. Er ist weiterhin Vorsitzender im Aufsichtsrat des BNSRC und sehr engagiert, dieses weiter voran zu bringen. Dabei scheint Deutschland als Vorbild zu gelten. Dort haben sich bruneiische Regierungsvertreter angesehen, wie Krankenhäuser ausgestattet sind. Auch haben die deutschen Spezialisten am BNSRC bei den technischen Erfordernissen beratende Funktion. Als Zeichen der Anerkennung wurde Frau Meyding-Lamadé 2012 der höchste bruneiische Adelstitel Datin Seri Leila Jasa verliehen.

Ein wichtiges Kriterium bei der Anschaffung medizintechnischer Ausrüstungen ist die Präsenz der Hersteller in der Region. In Brunei selbst gibt es zwar keine Produktion, obwohl das Sultanat diese gerne ansiedeln würde und deshalb mit attraktiven Investitionsanreizen lockt. Bei der Beschaffung schauen die Krankenhäuser zuerst, ob die in Frage kommenden Hersteller mit Fertigung in Singapur, Malaysia oder auch Australien vertreten sind. So war es für das deutsche Medizintechnikunternehmen B.Braun von ausschlaggebendem Vorteil, dass es über eine umfangreiche Produktion in Malaysia verfügt. Siemens und Philipps sind mit starken Service- und Vertriebszentren in Singapur vertreten.

Auch wenn das Jerudong Park Medical Centre die Unterstützung der Regierung genießt und vollständig dem staatlichen Investitionsfonds Brunei Investment Agency gehört, wird es wie ein privates Krankenhaus betrieben. Es entscheidet auch eigenständig über seine Beschaffungen. Ferner kooperiert es mit der privaten Pantai Group. Gleiches gilt für das Brunei Neuroscience Stroke and Rehabilitation Centre, das direkt in den Zuständigkeitsbereich des Premierministers fällt. Die in Jerudong Park angesiedelten Zentren nehmen alle Patienten mit Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Krebs von den vier staatlichen Hospitälern auf. Für deren Behandlung bezahlt dann der Staat. Ansonsten sind die Patienten in Jerudong Selbstzahler beziehungsweise über eine private Versicherung oder den Arbeitgeber versichert.

Das Gros der Krankenhausbetten steht mit über 1.100 an der Zahl in den öffentlichen Krankenhäusern. Deren Ausstattung mit Medizintechnik ist aber pro Kopf wesentlich niedriger. Während im Jerudong Park Medical Centre auf rund 20 Patientenbetten ein Magnetresonanztomographiegerät entfällt, sind es im staatlichen Ripas-Hospital mit rund 1.000 Betten mehrere hundert Patienten.

Mit dem Anfang Mai lancierten "Health System and Infrastructure Master Plan for Brunei Darussalam" will die Regierung die öffentliche Gesundheitsversorgung verbessern. Auf dem Plan steht die Modernisierung der vier staatlichen Krankenhäuser, der Bau eines Ambulanzkrankenhauses und die Erweiterung der bestehenden rund 40 Gesundheitszentren. Auch sollen mehr öffentlich-private Partnerschaftenerlaubt werden. Ein Schwerpunkt werde auf Primärgesundheitsversorgung und Prävention liegen, erläuterten Fachleute.

In der Tat kann mit Aufklärung und Vorbeugung in Brunei noch sehr viel erreicht werden. Im reichen Sultanat essen die Menschen nicht nur reichlich, sie bewegen sich auch wenig. Herzerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck stehen somit oben auf der Krankheitsliste. Auf seiner Station sieht er Patienten unter 40 Jahren mit Herz- und Kreislauferkrankungen, die in Deutschland erst in einem wesentlich höheren Alter vorkommen, konstatierte Dr. Björn Zimmerlein, einer der vor Ort tätigen Ärzte, im Gespräch mit gtai.

Der Regierung bleiben die Gesundheitsprobleme nicht verborgen und sie warnt mittlerweile in Aufklärungskampagnen vor ungesundem Essen und Bewegungsmangel. Auch haben Sportaktivitäten etwas zugenommen. Es bleibt aber noch viel zu tun auf diesem Gebiet. Rainer Jaensch, gtai

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